Die Ölmärkte sind verunsichert

Ein zweiter Lockdown wäre unvorstellbar, zumindest würde die Wirtschaft derart stark leiden, dass auch die Ölpreise erneut drastisch sinken würden.

27.07.2020 | Robby Erkmann

Unvorstellbar sind die Folgen, die entstünden, sofern ein erneuter Lockdown die Industrieproduktion stoppt. Schon mit dem ersten Lockdown waren rund 6,8 Mio. Menschen in Deutschland in Kurzarbeit. Im Juni ist die Zahl der Arbeitslosen weiter gesunken, obwohl die restriktiven Maßnahmen der Regierung zurückgefahren wurden und die Wirtschaftsleistung sich infolgedessen wieder erholte. Der schwedische Top-Ökonom Bergqvist warnt die Bundesregierung davor einen zweiten harten Lockdown zu verhängen. Seiner Ansicht nach würde dies zu einer Monster-Rezession führen, die auch von der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert werden würde, da die Auswirkungen auf die Menschen im Allgemeinen zu groß wären. Seiner Ansicht nach hat Schweden den richtigen Weg gewählt, indem die Regierung keinen harten Lockdown umgesetzt hatte. So ist die Wirtschaftsleistung nicht so stark eingebrochen, wie in den Ländern die Lockdowns verhängt haben. Die Verwerfungen an den Ölbörsen waren seinerzeit entsprechend groß, da mit dem Stillstand der Wirtschaft auch die Rohölnachfrage eingebrochen ist. Die Auswirkungen merkt auch die Bundesregierung indem die Steuereinnahmen deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen.


Korrektur bei Nachfrageerwartung


Rystad korrigiert die Ölnachfrageerwartung nach unten. Das ist erfolgt, da die aktuelle Entwicklung bei der aktiven Corona-Fälle weltweit steigen und die Pandemie damit noch nicht überstanden ist. Insbesondere für Länder wie USA, Brasilien und Indien sehen die Experten Probleme bei der Rohölnachfrage. Das Ölnachfrageniveau im letzten Jahr lag noch bei 99 Mio. B/T. Aktuell werden weltweit rund 90,2 Mio. B/T nachgefragt. Die Rystad Experten sehen bis November eine Erholung auf 94,7 Mio. B/T. Der Jahresdurchschnitt soll dieses Jahr bei 89,7 Mio. B/T liegen. Sofern es zu einem zweiten Lockdown kommt und damit das Worst-Case-Szenario eintritt wird die Ölnachfrage im weiteren Jahresverlauf nochmal um 3,7 Mio. B/T sinken, so die Experten. In dem vermehrt bearishen Umfeld haben es die Ölpreise aktuell sehr schwer sich zu behaupten.

Brent und WTI liegen heute Morgen daher niedriger und können das Preisniveau nicht verteidigen. WTI kostet 41,09 US-Dollar pro Barrel und die Nordseesorte Brent notiert bei 43,13 US-Dollar pro Barrel. Mit 46,81 Euro pro 100 Liter liegt der durchschnittliche Heizölpreis heute wieder nahe an dem Jahrestief auf sehr niedrigem Niveau. 
 

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