Festgefahrene Lage in Libyen

Eine klare Aufwärtsbewegung der Ölpreise bleibt dem Markt erspart. Es droht ein großer Angebotsausfall in Libyen, der so nicht zu erwarten war.

21.01.2020 | Robby Erkmann

Zu den aktuellen Ausfällen und Engpässen in Libyen meldete sich im Zuge der Friedenskonferenz vom Wochenende der libysche Regierungschef al Serradsch zu Wort. Am Montag erklärte er in Berlin, dass auch die internationale Staatengemeinschaft gefragt sei, die Ölförderung im Land sicherzustellen. Laut al Serradsch drohe in Libyen eine Katastrophe, sofern die Ölförderung auf das befürchtete Niveau abfallen würde. Zudem wolle man sich an die Abmachungen aus der Friedenskonferenz halten. Jedoch werde man sich nicht am Verhandlungstisch mit der Gegenpartei um General Haftar setzen. Haftar und die verbündeten Milizen blockieren seit Freitag wichtige Exporthäfen im Osten des Landes. Die Forderung zur Aufhebung der Blockade ist an die Neuverteilung der Öleinnahmen geknüpft. Dies ist seit Beginn der Auseinandersetzung die zentrale Forderung und Zielsetzung. Diese Forderung wird von der gewählten Regierung in Tripolis stets abgelehnt. Nur die dort ansässige NOC ist rechtmäßig in der Lage die Exporte und den Zahlungsverkehr abzuwickeln. Im Grunde werden die Milizen um General Haftar von der NOC mitfinanziert. Die dort eingenommen Gelder werden im Ganzen Land verteilt. Aus den besetzen Gebieten im Osten fließt das Rohöl, aus der Hauptstadt die Geldströme. So gesehen sind beide Lager abhängig von einer funktionieren Rohölindustrie und deren Abwicklung.


Die Händler bleiben entspannt


Einer der Gründe für den weiterhin recht ruhigen Preisverlauf ist die Reservekapazität der OPEC. ING Economics schätzt die Reservekapazitäten auf bis zu 3 Mio. B/T. Diese könnten eine die fehlenden Rohölmengen aus Libyen auffangen. Aktuell droht hier ein Verlust von etwa 1,0 Mio. B/T, sofern es zu keiner Einigung bzw. Freigabe der Exporthäfen kommt. Wobei ein steigendes Preisniveau, der Preiserwartung der OPEC entgegenkommen würde. Saudi-Arabien avisiert nach wie vor einen Rohölpreis von etwa 80 US-Dollar pro Barrel an. Ein Eingreifen der OPEC ist daher eher unwahrscheinlich. Andererseits kann die Lage in Libyen die Verhandlung der OPEC über die bestehenden Förderkürzungen im März beeinflussen. In der jetzigen Situation ist eine Preisrallye noch vermehrt unwahrscheinlich, doch der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass, welches kaum einschätzbar ist.

Die aktuellen Rohölpreise stützen diese Haltung. Brent und WTI liegen heute Morgen deutlich im Minus. WTI kostet 57,81 US-Dollar pro Barrel und die Sorte Brent notiert jüngsthin bei 64,51 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist als Reaktion auf das gestrige leicht gestiegene Preisniveau höher als gestern. 100 Liter Heizöl kosten damit im Bundesdurchschnitt 66,82 Euro.

Presse-Kontakt


Tel.: 040 524768-0
info@comoil.de
Kooperation