Förderkürzungen ohne Effekt

Die Kürzungen von 9,7 Mio. B/T durch die OPEC und den erweiterten Kreis bleiben wirkungslos. Neue Zahlen zur Rohölnachfrage schocken die Märkte.

16.04.2020 | Robby Erkmann

Nach den derzeitigen Schätzungen reichen die aktuellen Kürzungen der OPEC bei weitem nicht aus, damit der Markt in ein Gleichgewicht zurückkehren kann. Das bedeutet eine weitere Zunahme an Lagerbeständen. Diese sind zunehmend ausgereizt, sodass nach immer neuen Möglichkeiten zur Rohöleinlagerung gesucht wird. Dazu werden mittlerweile alte stillgelegte Raffinerien genutzt oder auch bei stillgelegten Öltankern wird überlegt diese zu reaktivieren. Die IEA hat in ihrer Prognose für April drastische Konsequenzen der Coronakrise aufgezeigt. So wird die Ölnachfrage im April so niedrig sein wie seit 25 Jahren nicht mehr. Damit einhergehend soll die durchschnittliche Nachfrage nach Rohöl um 29 Mio. B/T einbrechen, so Birol, der die IEA aktuell leitet. Insgesamt wird der Nachfragerückgang im laufenden Jahr auf durchschnittliche 9,3 Mio. B/T geschätzt. Dabei betonte man, dass eine derart große Menge grundsätzlich nicht vom Markt aufgefangen werden kann, indem Förderkürzungen umgesetzt werden. Zwar liegt die Förderkürzung der OPEC für Mai und Juni bei 9,7 Mio. B/T doch eben nur für diese beiden Monate. Für die Monate danach sollen die Kürzungen schrittweise verringert werden. Hierzu kommt, dass für den Monat April keine Maßnahmen vorgesehen sind. Die Ölpreise dürften im April weiter fallen. 


US-Bestände wachsen deutlich


Bereits seit 12 Wochen wachsen die Bestände in den USA unaufhörlich. Für diese Woche hat das DOE einen Anstieg der Rohölvorräte um 19,2 Mio. Barrel gemessen. Ebenfalls deutliche Aufbauten gibt es bei den Mitteldestillaten und Benzin. Diesen Trend möchten die USA abwenden, indem der Staat seine strategischen Reserven auffüllt und so große Mengen von den heimischen Ölkonzernen abnimmt. Bisher hat es dafür keine Budgetfreigabe gegeben. Zudem wolle Trump schnellstmöglich die US-Wirtschaft wieder hochfahren. Er sieht den Höhepunkt der Infektionswelle als überschritten an, sodass einige Bundesstaaten bereits zum 1. Mai wieder voll einsteigen könnten die wirtschaftlichen Aktivitäten zu normalisieren. Ob das Ziel tatsächlich so realistisch ist bleibt abzuwarten. Zweifel an dieser Strategie gibt es genug, wenngleich dies die Rohölnachfrage wieder in Schwung bringen würde.


Brent und WTI liegen heute erneut tiefer. WTI liegt unter 20 US-Dollar pro Barrel bei 19,98 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent liegt heute bei 27,93 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland hat heute ein neues Jahrestief erreicht und liegt bei 50,44 Euro pro 100 Liter. 
 

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