Verschärfte Lockdowns und neue Covid-Mutation sorgen für schwächelnde Ölpreise

Die Entdeckung einer neuen Covid-19 Variante in Großbritannien und die damit verbundenen Reaktionen der EU-Länder dämpfen die optimistische Entwicklung der Ölpreise der letzten Wochen und Monate.

21.12.2020 | Christoph Warich

Nachdem Länder wie die Niederlande und Irland bereits vor wenigen Tagen Einreiseverbote für Bewohner von Großbritannien verhängten zogen in der letzten Nacht nun weitere Staaten wie Frankreich, Belgien und auch Deutschland nach. Die Rest-EU und die Schweiz werden wahrscheinlich folgen. So sieht sich Großbritannien wenige Tage vor dem offiziellen Austrittstermin aus der EU faktisch bereits isoliert.
Aktuell findet sich die neue Mutation des Coronavirus, welche bis zu 70% ansteckender sein soll als die bekannten Varianten, vor allem im Bereich London und im Südosten Englands. Die Regierung reagierte darauf mit strikten Ausgangssperren und Reiseeinschränkungen in diesen Regionen.

Abzuwarten bleibt aktuell ob und wie sich die neue Mutation auf die Impfstoffe auswirkt. Im Moment wird nicht davon ausgegangen, dass die Wirksamkeit der bereits entwickelten und zugelassenen Stoffe eingeschränkt ist. Dennoch sorgt genau diese Möglichkeit für Unruhe auf den Märkten und dämpft ein wenig die in den letzten Tagen und Wochen aufgekommene Impfstoff-Euphorie.

US-Kongress einigt sich auf Konjunkturpaket

Den negativen Entwicklungen rund um Großbritannien steht der Beschluss eines neuen Konjunkturpakets der US-Regierung gegenüber. Es umfasst im Gesamtvolumen 900 Mrd. Dollar und enthält unter anderem Mittel für Arbeitslosenhilfen. So gibt es beispielsweise Schecks über jeweils 600 Dollar pro Familienmitglied für von der Krise besonders betroffene Haushalte. Beim bereits ausgelaufenen Hilfspaket aus dem Frühjahr wurden ebenfalls Schecks an Bedürftige verschickt, damals noch in Höhe von 1200 Dollar.

OPEC+ mit mehr Einfluss auf den Markt

Am Wochenende kam es zu bilateralen Gesprächen zwischen dem Vize-Premierminister Russlands, Alexander Novak, und dem Saudi-Arabischen Energieminister Adbulaziz bin Salman um über die aktuelle Lage auf den Ölmärkten zu sprechen. Man zeigte sich einig darüber den Markt stabil zu halten und dafür zu sorgen, dass die fördernden Länder den Markt bestimmen und nicht die Spekulanten.
Um dies zu erreichen wird sich die OPEC+ zukünftig monatlich treffen um ihre Maßnahmen auf die Entwicklungen des Marktes abzustimmen. Weitere bilaterale Verhandlungen sollen folgen, bis es am 4. Januar 2021 dann zum nächsten Meeting kommt. Beispielsweise zwischen Russland und Iran, welches angekündigt hat seine Ölförderung im kommenden Jahr auf 4,5 Mio. B/T zu steigern.

Optimismus vorerst gedämpft

Der Aufwärtstrend der letzten Wochen an ICE und NYMEX scheint noch nicht gänzlich vorbei, hat jedoch durch die aktuellen Entwicklungen rund um Großbritannien einen kleinen Dämpfer erhalten. Es bleibt fraglich ob der Trend zu weiteren Corona-Hochs ungebrochen weiter geht. Die negativen Effekte von umfangreichen Lockdowns gab es bereits im vergangenen Frühjahr zu beobachten.
Die hohe Nachfrage auf den asiatischen Märkten, insbesondere China und Indien, sorgt demgegenüber für positive Impulse. Das US-Konjunkturprogram sowie die eingeleiteten EZB-Hilfen sind ebenfalls als positiv zu bewerten, sodass fundamental von einer neutralen bis bearischen Lage die Rede sein kann.

Die Nordseesorte Brent notiert aktuell bei 50,46 US-Dollar je Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) bei 47,43 US-Dollar je Barrel.

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