Ölmärkte bleiben bearish

Nach den Neujahresfeierlichkeiten öffneten in China wieder die Börsen. Diese gaben im Zuge des Coronavirus deutlich nach und bestätigten den Trend.

03.02.2020 | Robby Erkmann

Die Auswirkungen werden derweil immer konkreter. Der chinesische Raffineriebetreiber Sinopec hat bekanntgegeben, den Raffineriedurchsatz im Monat Februar um 600.000 B/T zu reduzieren. Dies wird eine direkte Folge des Coronavirus sein. Immer noch sind Millionen von Menschen in China isoliert und in der Mobilität eingeschränkt. Goldman Sachs schätzt, dass das Virus das chinesische Wirtschaftswachstum um 0,4 Prozent abschwächen kann. Auf das gesamte Jahr gesehen würde dies einen Minderverbrauch von 250.000 B/T entsprechen. Da die Analysten für das erste Halbjahr sowie eine deutliche Überversorgung vorhergesagt hatten, ist eine Nachfrageschwäche doppelt schädlich für die Ölpreise. Die Börsenindizies Shanghai Composite und der Shenzhen Composite brachen nach der Eröffnung der Neujahrspause um 8,1 und 8,6 Prozent ein. Dies ist besonders hart, da die chinesische Wirtschaft bereits im letzten Jahr so schwach gewachsen ist wie seit 30 Jahren nicht mehr. Zudem bleiben in den stark betroffenen Provinzen die Unternehmen für eine weitere Woche vollständig geschlossen. Eine Analyse von Chinese Academy of Social Sciennces besagt, dass das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auf rund 5 Prozent fallen wird. 


Vorzeitiges OPEC-Treffen 


Saudi-Arabien hatte damit begonnen die weiteren OPEC-Mitglieder für ein vorzeitiges OPEC-Treffen zu motivieren. Nun scheint es so, dass der allgemeine Konsens ebenfalls ein vorzeitiges Treffen als sinnvoll erachtet. Immerhin können die Ölpreise durch die aktuellen Förderkürzunge nicht stabilisiert werden. Seit er Finanzkrise 2008 erachten Analysten das Virus als größten Nachfrageschock. Analysten von Again Capital sehen ebenfalls weitere Preisnachlässe, sofern die OPEC keine besonderen Gegenmaßnahmen unternimmt. So hat auch die Citi Group ihre Prognosen deutlich gesenkt. Im ersten Quartal lag die Prognose noch bei 69 US-Dollar pro Barrel und wurde nun auf 54 US-Dollar pro Barrel reduziert. Brent und WTI liegen momentan beide über 20 Prozent unter dem Jahreshochkurs. Demnach verwundert es kaum, dass Russland jetzt doch einem vorzeitigen Treffen zugestimmt hat. Damit könnte bereits in der nächsten oder übernächsten Woche ein außerordentliches Treffen stattfinden. Dann könnte dem Markt zusätzlich 500.000 B/T entzogen werden, so die ersten Schätzungen. Allerdings gleicht diese Maßnahme allenfalls die hinzukommende Ölförderung in der Neutralen Zone zwischen Kuwait und Saudi-Arabien aus. 


Bent notiert heute Morgen bei 56,25 US-Dollar pro Barrel und WTI kostet im Moment 51,50 US-Dollar pro Barrel. Beide Werte liegen leicht unterhalb des Niveaus von Freitag. Mit 61,33 Euro pro 100 Liter liegt der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ebenfalls leicht unter dem Niveau von Freitag.
 

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