Ölpreise auf 1-Jahrestief

Die US-Sorte WTI hat die 50 US-Dollar Marke unterboten. Die Ölpreise und Märkte kommen nicht zur Ruhe. Ebenfalls unruhig bleibt die Lage in Libyen.

05.02.2020 | Robby Erkmann

Die Situation in Libyen bleibt für alle Parteien unbefriedigend. Immer noch kämpft General Haftar mit seiner Armee gegen die Regierungstruppen aus Tripolis. Der Grundkonflikt wurde ausgelöst durch Dispute über die Verteilung der Rohöleinnahmen. Diese werden ausschließlich über die NOC in Tripolis abgewickelt, da internationale Abnehmer die Abwicklung und Bezahlung ausschließlich mit der NOC vollziehen können. Die Truppen Haftars haben daher die Exporthäfen besetzt wodurch die Rohölförderung stark abgenommen hat. Die Lager sind voll und dadurch wurde die Produktion nun auf 204.000 B/T reduziert. Zu Beginn des Jahres hat Libyen noch rund 1,15 Mio. B/T an Rohöl gefördert. Gleichzeitig konnten die fehlenden Mengen die Rohölpreise nicht stützen und zeigt einmal mehr, wie bearish die Gesamtkonstellation ist. 


Mit der Ankündigung der OPEC, die Förderkürzungen zu intensivieren konnten die Ölpreise am gestrigen Tage etwas stabilisiert werden, sodass diese nicht weiter gefallen sind. Die Rohölpreise liegen heute Morgen ebenfalls etwas stabiler auf höherem Niveau. Brent kostet pro Barrel rund 54,23 US-Dollar und die Sorte WTI liegt mit 49,81 US-Dollar pro Barrel ebenfalls höher als zur Tageseröffnung. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland liegt heute bei 59,77 Euro pro 100 Liter.


Ölnachfragewachstum ist in Gefahr 


Immer absehbarer und spürbarer beeinflusst werden die Prognosen zum Nachfragewachstum. Anfang des Jahres hatte die IEA in ihrem Monatsreport ein Nachfragewachstum von 1,2 Mio. B/T für 2020 vorhergesagt. Die US-Bank Goldman Sachs hatte als erstes einen Nachfragerückgang von rund 280.000 B/T angekündigt. Die Schätzungen von BP belaufen sich derzeitig auf 300.000 bis 500.000 B/T. Die OPEC rechnet auf einem Zeitraum von 6 Monaten mit einem Rückgang von 400.000 B/T. Diese Schätzung würde das Nachfragewachstum der IEA immer noch um fast 17 Prozent vermindern. Die Verminderung der Nachfrage steht gleichzeitig für eine bessere Versorgung mit Rohöl und niedrigeren Rohölpreisen. Es ist daher überaus wahrscheinlich, dass die OPEC die Förderkürzungen intensiviert. Bis heute tagt das technische Komitee in Wien und wird dann eine Empfehlung an die OPEC-Mitglieder aussprechen. Mittlerweile befürchten Experten, dass die OPEC zusätzlich bis zu 1,0 Mio. B/T vom Markt nimmt. Dies würde die Rohölpreise deutlich stützen und zu einer starken Gegenbewegung führen. Demnach bleibt der Markt schwer kalkulierbar und die Ölpreise können starken Schwankungen unterliegen.
 

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