US-Lagerbestände im Fokus

Die zunehmende Ausschöpfung der Lagerkapazitäten machen dem Markt sorgen. Insbesondere die USA avisieren nun Maßnahmen, damit Läger entlastet werden.

23.04.2020 | Robby Erkmann

Im Grunde geht es um Lieferungen aus Saudi-Arabien. Das Königreich verkauft Rohöl aktuell zu sehr niedrigen Preisen. Daher war die Nachfrage aus den USA nach saudischem Rohöl groß, sodass derzeitig immer noch 40 Mio. Barrel per Schiff auf dem Weg sind, um in den USA anzudocken. Allerdings wird das Rohöl dort nicht benötigt und würde zu einem massiven Anstieg der Rohöllagerbestände führen. Trump hat signalisierte, dass man versucht die Importe zu verhindern. So seien Einfuhrembargos oder Strafzölle möglich. Experten und Händler halten die Umsetzung immer noch für möglich und realistisch. Händler berichten, dass Saudi-Arabien versuchen würde, das Rohöl anderweitig zu verschiffen. In Betracht komme auch Europa, auch wenn es hier eine ähnliche Ausschöpfung der Lagerkapazitäten gibt. Händler berichten, dass Käufer bereit seien Rohöl abzunehmen, sofern der Preis entsprechend niedrig ist. Dies beschreibt im Grunde auch den desolaten Rohölmarkt und Rohölpreis. Mittlerweile grenzen die weltweiten Lagerkapazitäten an ihre Grenzen, sodass die Produzenten durch Preisnachlässe versuchen die geförderten Rohölmengen los zu werden. Jedenfalls kann dies auch kein Dauerzustand sein, da die Abnehmer ebenfalls nicht unbegrenzt Rohöl kaufen können, sondern eigentlich nur so viel wie sie tatsächlich brauchen. Hier schließt sich wieder der Kreis zum Coronavirus, da die Ölnachfrage infolge der Shutdowns um etwa 30 Mio. B/T gesunken ist. Die OPEC kürzt dagegen nur 9,7 Mio. B/T.


US-Nachfrage deutlich niedriger


Die Daten des DOE zeigen, dass die Nachfrage nach Ölprodukten noch mehr als 6 Mio. unter dem Vorjahresniveau liegt. Kaum von Bedeutung ist dagegen, die leicht gestiegene Nachfrage in den USA. Damit die bearish Marktsituation in den USA abnimmt, sollte die Rohölförderung stark gekürzt werden. Dies ist zwangsläufig durch die Lagerbestände der Fall. In einer Dringlichkeitssitzung der Energieregulierungsbehörde in Oklahoma ist es den dortigen Ölproduzenten nun erlaubt, die Bohrlöcher stillzulegen, ohne dass die Pachtrechte verloren gehen. Damit ist der Weg frei, dass die Ölförderung eingestellt wird. Es ist damit zu rechnen, dass ähnliche Beschlüsse auch für andere Bundesstaaten ergehen. Fraglich bleibt weiterhin, wie die Regierung den US-Ölunternehmen finanziell zur Seite stehen möchte. Es besteht die Gefahr von Insolvenzen, die den Markt bereinigt und die Ölförderung auch nach der Krise nachhaltig reduzieren kann. 


Brent und WTI machen heute deutlich Boden gut, wenngleich dieser Anstieg von einem extrem niedrigen Niveau ausgeht. Brent kostet pro Barrel 21,94 US-Dollar und WTI notiert im Augenblick bei 15,24 US-Dollar pro Barrel. Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland hat dagegen ein neues Jahrestief erreicht und liegt heute bei 48,93 Euro pro 100 Liter.
 

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