Weitere Abwärtstendenz am Ölmarkt

Die Rohölpreise fahren mit den Preisverlusten fort. In der letzten Woche hatten die Ölpreise die größten Wochenverluste seit Juli verzeichnet.

14.01.2020 | Robby Erkmann

Der gestrige Tagesverlauf begann vorerst mit einer leichten Aufwärtsbewegung. Diese wurde allerdings durch Neuigkeiten über die Situation in Libyen unter Druck gesetzt. Bei der Verhandlung über einen Waffenstillstand im innerpolitischen Konflikt wurden Fortschritte vermeldet. Ein dazugehöriges Dokument wurde durch den libyschen Ministerpräsidenten al-Sarradsch unterzeichnet, so der russische Außenminister Lawrow. Quellen aus der Türkei berichten jedoch, dass sich dieser bis Dienstmorgen für die Prüfung Zeit nehmen wolle. In jedem Fall hält die seit Sonntag vereinbarte Waffenruhe in Libyen an. In Libyen kämpfen die Truppen der international anerkannten Regierung aus Tripolis gegen General Haftar und seine Truppen. Im Grunde geht es um die Verteilung der Rohöleinnahmen. Zum Export des Rohöls ist nur die Regierung in Tripolis berechtigt. Die Bundesregierung vermittelt im Konflikt ebenfalls und hat eine Friedenskonferenz in Berlin angeboten. Türkischen Medien zufolge soll diese schon am Sonntag stattfinden, wobei dies von Seiten der Bundesregierung bisweilen nicht bestätigt wurde.

Im Grunde preist der Markt aktuell eine geringe Risikoprämie ein und begünstigt dadurch weitere Preisabbauten am Ölmarkt. Die Ölförderung in Libyen dürfte im Moment bei rund 1,2 Mio. B/T liegen. Bei einem übergreifen der Konflikte auf die Ölinfrastruktur hätte es zu deutlichen Versorgungseinbußen kommen können. Gelöst ist der Konflikt trotz der Waffenpause nicht, sodass ein Anstieg der Risikoprämie durchaus wieder denkbar ist.

Ausweitung der Iransanktionen

Einen militärischen Konflikt haben der Iran und die USA als nicht wünschenswert dargelegt. Daher haben sich beide Parteien entsprechend verhalten. Doch auf neue Sanktionen muss sich der Iran wohl einstellen, da die USA ihre Ankündigung in dieser Hinsicht umsetzen wollen. Derzeit stehen die USA im Kontakt mit China zur Reduzierung der Importe aus dem Iran. Die Ölförderung des Iran beträgt laut der OPEC noch 2,1 Mio. B/T. Bevor die USA ihre Sanktionen ausgeweitet haben lag die Ölförderung im April 2018 noch bei 3,8 Mio. B/T. Obgleich weitere Sanktionen die Rohölversorgung verknappen würden, sehen Experten diese Entwicklung weniger ausschlaggebend. In diesem Jahr soll die Rohölförderung der Nicht-OPEC Lände um 2,1 Mio. B/T steigen. Eine Reduzierung der iranischen Rohölförderung auf null würde die Förderanhebung der Nicht-OPEC Länder ausgleichen. Doch die USA sind schonmal mit dem Plan gescheitert, die iranische Rohölexporte komplett auf null zu reduzieren. Daher dürfte ein förderseitiges Überangebot auch mit der neuerlichen Entwicklung im Iran den Markt bestimmen und die Rohölpreise auf moderatem Niveau halten.

Der durchschnittliche Heizölpreis in Deutschland ist erneut gefallen und liegt heute bei 67,86 Euro pro 100 Liter. Ebenfalls niedriger liegen die Rohölnotierungen. WTI kostet im Moment 57,77 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent notiert aktuell bei 63,97 US-Dollar pro Barrel.

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