Brent klettert auf über 70 Dollar pro Barrel

Die Nordseesorte Brent ist am Wochenende über die 70 Dollarmarke gestiegen, und erreicht damit fast das Hoch vom Januar 2020. WTI notiert sogar auf dem höchsten Stand seit Oktober 2019

08.03.2021 | Christoph Warich

 

Die Gründe für den starken Preisanstieg liegen vor allem auf der Angebotsseite. Die OPEC+ hat am vergangenen Donnerstag beschlossen, ihre bisherigen Produktionskürzungen vorerst bis zum April zu verlängern. Während der Markt also noch darauf wartet, dass das Angebot der USA sich von den heftigen Wetterkapriolen der letzten Wochen erholt, ist von Seiten der Händler die Befürchtung groß, dass weitere, unvorhergesehene Produktionsausfälle auf einem leergekauften Markt erneut für Unruhen sorgen könnten.

Saudischer Ölexportterminal Ras Tanura unter Beschuss

Solche Befürchtungen erscheinen aufgrund des Angriffs der jemenitischen Huthi-Rebellen auf das saudische Ölexportterminal Ras Tanura am vergangenen Wochenende nicht völlig unbegründet. Laut saudi-arabischer Regierung konnte der feindliche Beschuss durch Drohnen und Raketen zwar abgewehrt werden, für Verunsicherung sorgt die Situation dennoch. Die Marktteilnehmer dürften noch allzu gute Erinnerungen an den September 2019 haben, als zwei wichtige Analgen der Saudi Aramco angegriffen und beschädigt wurden. Damals kam es zu einem kurzzeitigen Einbruch der saudischen Ölproduktion und zu Ausfällen von mehreren Millionen B/T.
Auch in der Vergangenheit zeigten sich die Huthi-Rebellen für die Anschläge verantwortlich, wobei Saudi-Arabien den Iran als eigentlichen Drahtzieher beschuldigt. Und so werden die gleichen Vorwürfe auch dieses Mal laut, was zu weiteren geopolitischen Spannungen, nicht nur in der Region des persischen Golfs führen wird. In der unübersichtlichen Gemengelage spielen ebenfalls die USA und der Irak eine Rolle. Zuletzt durch Angriffe seitens der US-Luftwaffe auf pro-iranische Einrichtungen im Osten Syriens. Diese waren ein Vergeltungsakt für Angriffe auf einen US-amerikanischen Stützpunkt im Irak.

Nachfragesituation ungewiss

Vor allem Saudi-Arabien zeigt sich weiterhin skeptisch, was die Stabilität der globalen Nachfrageerholung anbelangt. Auf der einen Seite wird aktuell viel geordert, auf der anderen zeigen sich Tendenzen, dass dies nur der Furcht um ein Ausbleiben des Angebotes geschuldet sein könnte sein könnte. Die Gefahr wird darin gesehen, dass eine Erweiterung der Produktion in erster Linie zum Preisverfall führen wird, nicht zu einer ausgeglichenen Situation von Angebot und Nachfrage.

Konjunktur der USA erholt sich

Gute Nachrichten gibt es hingegen aus den USA. Aktuelle Konjunkturindikatoren zeigen eine Erholung der hiesigen Nachfrage an. Und auch die baldige Verabschiedung des billionenschweren Konjunkturprogrammes steht bevor. Nach dem Repräsentantenhaus hat nun auch der Senat die Gesetzesvorlage mit einigen Änderungen genehmigt. Nach einer weiteren Runde durchs Repräsentantenhaus kann das Maßnahmenpaket im Anschluss von Präsident Biden unterzeichnet werden.

Notierungen

ICE Gasoil März handelte zuletzt bei 560,50 Dollar, +13,00 Dollar. ICE Brent handelt bei 70,65 Dollar, das sind +1,29 Dollar zum Schluss Freitag. ICE WTI liegt aktuell bei 67,13 Dollar.

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