Volatilität der Ölbörsen bleibt vorerst bestehen

Der Stau am Suez-Kanal könnte im schlimmsten Fall noch Wochen dauern. Derweil sorgt die Corona-Lage bei Marktteilnehmern für neue Unsicherheiten

26.03.2021 | Christoph Warich

 

Die Bergung des 200.000 Tonnen Frachters „Ever Given“ gestaltet sich schwieriger als anfangs gedacht. Seit nun mehr vier Tagen blockiert das Containerschiff den Suez-Kanal, eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Und es könnte noch Wochen dauern bis der Weg wieder frei gegeben werden kann. Während die ägyptische Regierung davon spricht die Seeroute in spätestens drei Tagen wieder passierbar machen zu wollen, rechnen Experten mit einer Verzögerung von bis zu zwei Wochen. Aufgrund des derzeit niedrigen Wasserpegels und der schweren Beladung steht zur Debatte den Tanker teilweise zu entladen, um ihn aus seiner Lage zu befreien.
Die Auswirkungen auf den Ölmarkt sind zwar existent, halten sich derweil aber in Grenzen. Zum einen sind die Rohölexporte aus dem Nahen Osten in Richtung Europa durch den Suez-Kanal seit Jahren rückläufig, die für den Öltransport genutzten Tanker sind für die nordafrikanische Wasserstraße ohnehin zu klein. Und zum anderen sind die weltweiten Lagerbestände seit Ausbruch der Coronapandemie für gewöhnlich gut gefüllt. Laut IEA lagen die europäischen Rohölvorräte Ende Januar 5 Prozent über dem Vorjahresniveau, Raffinerieprodukte stiegen im Jahresvergleich gar um 6,5 Prozent.

Zunahme der Infektionen begrenzt Aufwärtstrend der Nachfrageerholung

Die Hoffnung auf steigende Preisgewinne droht zunehmend am neu aufflammenden Infektionsgeschehen zu scheitern. Ging man vor einigen Wochen noch davon aus, dass eine Mischung aus raschen Impfkampagnen und wärmerem Wetter für einen Aufschwung der Ölnachfrage sorgen wird, hat sich dies nur zum Teil bewahrheitet. Während die USA bereits etwa 40 Prozent der Bevölkerung mit einer Erstimpfung ausgestattet haben sind es in der EU gerade mal acht, in Deutschland mittlerweile immerhin 14 Prozent.
Und auch die Zahl der Neuinfektionen, aufgrund von deutlich infektiöseren Mutationen, schnellt weiter in die Höhe. Abseits von Europa vermeldete gestern erneut Indien einen großen Anstieg an Neuansteckungen und Todesfällen. Der drittgrößte Ölverbraucher der Welt hat als Reaktion darauf neue Ausgangssperren und Einschränkungen verhängt. Zum Schaden der Ölnachfrageentwicklung.

Notierungen

ICE Gasoil April handelte zuletzt bei 497,00 Dollar, +9,00 Dollar. ICE Brent handelt bei 63,05 Dollar, +1,10 Dollar zum Schluss Donnerstag. ICE WTI handelt bei 59,77 Dollar.

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